Impressionen von Zürich

Zürichs Gastrolandschaft unter der Lupe – Podium zur Attraktivität des Angebots

csv. Der McDonald's Letzipark hat es geschafft, genauso wie das Restaurant Blaue Ente, die BP-Tankstelle Wollishofen und die Mövenpick Caveaux: Sie zieren alle die Top-Fünf-Listen einer Bewertung, die der Gastro-Consultant Jürg Landert zur stadtzürcherischen Gastrolandschaft erstellt hat. Seine persönliche und pointiert kommentierte Einschätzung der Branche hat er am Mittwochabend im Rahmen des «Zürich Spirit Event» präsentiert. Den zweiten Anlass dieser Veranstaltungsreihe widmete der Zürich Promoters Club, eine von Zürich Tourismus geschaffene Plattform zur Stärkung der Marke Zürich, der Gastronomie der Stadt.

 

Das Publikum reagierte mit zustimmendem Gemurmel oder anerkennenden Lachern auf Landerts manchmal ungewöhnliche Nennungen. Nach seiner Einführung ins Thema nahm eine vom Gastrokritiker Andrin C. Willi moderierte Podiumsrunde Zürichs Gastronomiekultur unter die Lupe. Mit rund 2000 Betrieben hat die Stadt eines der dichtesten Gastronomieangebote der Welt. Während der Veranstalter von Genuss- Workshops, Patrick Zbinden, teilweise die Konzeptqualität und die Fixierung auf Erlebnisgastronomie bemängelte, sah Rolf Hiltl, Inhaber des Restaurants Hiltl und Mitgründer des Tibits, vor allem Chancen in der Rückkehr zur Individualität. Fredy Angst wiederum, Spezialist für Bar- und Klubbedarf, setzt auf reduzierte Konzepte, wie sie zurzeit in Zürich im «Rosso» und im «Talacker» zu finden sind. Das Messen der Vorhaben an den Wünschen des Gasts und nicht an Trends macht Landert zu seinem Schwerpunkt. Viele Projekte in Zürich basierten auf potenten Geldgebern, hielt er fest. Somit mangle es an kreativen, mit wenig Mitteln zu verwirklichenden Projekten, wie sie zum Beispiel in Berlin zu finden seien.

 

Trotz diesen Kritikpunkten waren sich zum Schluss alle einig darin, dass Zürich in mancher Hinsicht zu den Trendsettern der Gastronomie gehört. Sei es wegen der Dichte und der Vielfalt der Konzepte, sei es wegen der hochgehaltenen Qualität oder des im Umland vorhandenen Wohlstands der Gäste. Auch die Reaktionen von Fachpersonen aus dem Ausland liessen immer wieder auf eine gute Position der Limmatstadt im weltweiten Vergleich schliessen. Laut Landert ist Zürich diesbezüglich auch schon mit Paris, London oder Barcelona verglichen worden. Inwiefern sich daraus eine internationale Vorbildwirkung der Stadt ableiten lässt, blieb allerdings unklar. Lediglich Zbinden präzisierte, dass in seinen Augen einzig das komplett verdunkelte Restaurant Blinde Kuh eine echt zürcherische Innovation sei. Diese Erfindung hat es immerhin direkt von Zürich über den grossen Teich geschafft - bis auf die Titelseite der «New York Times».