«Wir fliegen mit der Lederhose nach Irkutsk»
Eine Tagung zur Symbiose von Flughäfen und Tourismus
ark. Dass Flughäfen Wirtschaftsmotoren sind, ist ein bekanntes Phänomen. Firmen und ihre Repräsentanten bewerten Direktverbindungen und die Nähe zu Flughäfen als wichtigen Standortfaktor. Eminent wichtig sind die Flughäfen und ein möglichst grosses Streckennetz aber auch als Tourismus-Infrastruktur. An einer Tagung von Zürich Tourismus und der Internationalen Schule für Touristik versuchten Flughafenbetreiber, der Symbiose auf den Grund zu gehen.
Zunächst machte David Bosshard vom Gottlieb-Duttweiler-Institut eine Prognose über das Mobilitätsverhalten im Jahr 2015. Aus der für Trendforscher üblichen munter vorgetragenen Mischung von originellen Visionen und längst bekannten Phänomenen kristallisierten sich einige interessante Beobachtungen heraus. Zürichs Trumpf sei die Lebensqualität, sagte Bosshard. Er empfahl der Stadt eine Verbannung des motorisierten Privatverkehrs und eine Konzentration auf öffentliche Erschliessung. Zürich sei keine der mythenbeladenen Weltstädte, wo die Touristen von selber kämen. Deshalb bestehe die Gefahr, dass die Stadt verwechselbar werde und zur Massenware («Commodity») verkomme. Dieses Phänomen - gleiche Läden, gleiche Restaurants, gleiche Hotels - gelte es im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung unbedingt zu vermeiden. Bosshard zeigte auf, dass mit dem Phänomen Billig-Airlines ein neues Reiseverhalten aufgetreten ist. Es sind nicht mehr primär Träume und lang gehegte Wünsche, die die Wahl der Destination beeinflussen, sondern billige Offerten im Internet. «Man fliegt in eine Stadt ganz einfach, weil man kann.»
Auch Michael Kerkloh, der CEO des aufstrebenden Münchner Flughafens, betonte die Wichtigkeit der Low-Cost-Carriers. Diese verzeichneten zweistellige Zuwachsraten, obschon man ihre Präsenz nicht speziell gesucht habe, so Kerkloh. Das Discount-Angebot erschliesse ganz neue Kundensegmente und kannibalisiere nicht primär die Auslastung der übrigen Fluggesellschaften. Dies gelte für Passagiere von und nach München. Wichtige strategische Bedeutung hat für Kerkloh aber primär die Erschliessung neuer Kundensegmente in Asien, namentlich China und Indien. Bereits könnten sich fünf Prozent der chinesischen Bevölkerung ein Businessclass-Ticket leisten. «Das sind 80 Millionen Menschen», rechnete Kerkloh vor. Interessant seien die asiatischen Kunden auch, weil sie an den Flughäfen deutlich mehr konsumierten. Ein deutscher Passagier gebe in den Flughafengeschäften durchschnittlich 5 Euro aus, Japaner, Chinesen und Russen um die 30 Euro.
Kerkloh schilderte, wie man in gemeinsamer Anstrengung mit den bayrischen Tourismusinstitutionen neue Feriengäste sucht: «Wir ziehen alle die Lederhosen an und fahren mit einer Blaskapelle nach Irkutsk.» Der Zürcher Flughafendirektor Josef Felder seinerseits berichtete von einer bevorstehenden Mission nach Dubai, er will dort für eine weitere Direktverbindung durch Emirates weibeln. Dabei konnte er einen gewissen Neid auf die deutschen Kollegen nicht verbergen: «Wenn Herr Kerkloh in Dubai lobbyiert, ist Ministerpräsident Stoiber auch dabei. Bei uns wäre das absolut undenkbar.» Felder betonte, wie wichtig Direktverbindungen für die Tourismusdestination Zürich seien, insbesondere für reiseungewohnte Völker wie die Chinesen. Swiss-Vertreter Rudolf Schumacher wollte aber keine Wiedereinrichtung der Swiss-Direktverbindung nach Peking in Aussicht stellen: «Gegenwärtig bezweifeln wir, dass eine Direktverbindung nach Peking profitabel zu betreiben wäre», sagte er.
