Impressionen von Zürich

«Züriwasser»-Idee auf Eis gelegt

Einen Sturm ums Wasserglas hatte Maurus Lauber, Marketingchef von Zürich Tourismus, mit der Idee ausgelöst, für Leitungswasser in Zürcher Restaurants Geld zu verlangen. Inzwischen ist der Sturm abgeflaut - und die Idee auf Eis gelegt.

 

Matthias Scharrer

 

Die rund 1200 Brunnen Zürichs bieten Trinkwasser von hoher Qualität, gratis und in rauen Mengen. «Das ist ein Stück Lebensqualität», sagt Maurus Lauber. «Uns geht es darum, diese Lebensqualität bewusster zugänglich zu machen», so der Marketingchef von Zürich Tourismus weiter. Also musste ein Label her: «Original Züriwasser», oder auch «ZH2O». Vermarktet werden soll das edle Nass in hochwertigen Aluflaschen mit entsprechendem Aufdruck.

 

Die Produktion von 5000 solcher Flaschen gab Zürich Tourismus bereits in Auftrag. Ab August sind sie im Handel. Und schon jetzt sind laut Lauber «einige hundert» Bestellungen für das offizielle Zürich-Tourismus-Souvenir eingegangen. Weniger Anklang fand eine andere von Lauber lancierte Idee: Wirte könnten das aus der Leitung sprudelnde «Züriwasser» künftig in speziell designten Karaffen ausschenken - und dafür Geld verlangen.

 

«Einzelne Interessenten»

Vor gut einem Monat machte die Gratiszeitung «20 Minuten» die Idee publik und löste damit einigen Wirbel aus. Lauber betont, er habe nie gefordert, dass man fürs «Züriwasser» in Restaurants bezahlen müsse. Er hält jedoch daran fest, dass dies durchaus gerechtfertigt und sinnvoll wäre, wenn «Züriwasser» auf den Speisekarten als Getränk erschiene. Begründung: «Die Dienstleistungen und Erlebnisse in Gastlokalen können nicht gratis sein, nur weil das Wasser fast nichts kostet.»

 

Doch das Interesse daran hält sich in der Zürcher Gastrobranche offenbar in Grenzen: «Es gibt einzelne Interessenten unter den Wirten und Hoteliers», sagt Lauber. Mit mehr habe er nicht gerechnet. «Das Konzept steht ja noch nicht. Wir werden das anschauen, wenn die Aluflasche lanciert ist.» Einstweilen sei die Idee, «Züriwasser» in Gastro-Betrieben kommerziell zu vermarkten, auf Eis gelegt.

 

Ernst Bachmann, Präsident des Branchenverbandes Gastro Zürich, bestätigt: «Ich habe bis jetzt nichts davon gehört, dass Wirte Interesse an Züriwasser-Karaffen hätten.» Zwar betont auch er, dass ein Entgelt für die Dienstleistung der Wirte, die Leitungswasser servieren, gerechtfertigt wäre: «Wir müssen nicht nur Materialkosten, sondern auch Löhne und Mieten bezahlen.»

 

Doch das umstrittene Thema «Zahlen fürs Hahnenwasser» will Bachmann lieber nicht zu hoch hängen: «Es wird zu wenig von dieser Dienstleistung Gebrauch gemacht, als dass es unter Wirten ein Thema wäre.» Er selber, Wirt im Bahnhofbuffet Zürich-Wollishofen, habe in den letzten Monaten lediglich einen Gast gehabt, der das billigste Menü und ein Glas Leitungswasser dazu bestellte.

 

Und jetzt die Panorama-Erlebniskarte

Konkrete nächste Schritte, um zusammen mit Zürich Tourismus das Produkt «Züriwasser» in Zürichs Beizen zu lancieren, seien denn auch nicht geplant. Und Bachmann hofft: «Der neue Präsident von Zürich Tourismus wird ein Auge darauf haben, dass man solche Ideen künftig zuerst untereinander abspricht, bevor man an die Öffentlichkeit geht.»

 

Die nächste Marketing-Idee von Zürich-Tourismus dürfte für weniger Wirbel sorgen: In zwei Wochen kommt laut Lauber eine Panorama-Erlebniskarte auf den Markt, die zeigt, was der Grossraum Zürich vom Limmattal bis zum Titlis nebst Wasser so alles zu bieten hat. Bis jedoch das edle «Züriwasser» auf Speiskarten angepriesen wird, dürfte noch viel Wasser die Limmat hinunter fliessen.

 

Ohne Entgelt

Das Glas Wasser bleibt in Restaurants bis auf weiteres gratis, auch wenn «Züriwasser» drin ist. key